IMPRESSUM
RHODOS WÄR´ SOOOO TOLL GEWESEN!

(c) 1999
 
TÖRN: 

1.Woche

2.Woche

3.Woche

4.Woche

 
 


 
 
 
 
Gerd Maynard

"Wer ist Gerd Maynard?"

"Gerd Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er litt für uns, unsre Liebe sein Lohn.
Gerd Maynard."

Die "Dione" fliegt über die schäumnede See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Olbia fliegt sie nach Bonifacio -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Froschos und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun.
Und plaudernd an Gerd Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Noch 45 Minuten ...  ums Eck bis ne Stund."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie ein Schrei,
"Höher ran!" war es, was da klang,
Das Kommando aus Kajüt und Luke drang,
Ein zucken, dann Hecktick lichterloh,
Und noch vier Stunden bis Bonifacio.

Und die Passagiere, grüngemengt,
An der Reling stehn sie zusammengedrängt,
Nur am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
An Achtern aber lagert sich's dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch zwei Stunden nach Bonifacio. 

Die Qual sie wächst, doch der Gerd der steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber längs übers Schiff fragt er an:

"Noch da, Gerd Maynard?"

    "Ja, Herr. Ich bin."

"Höher ran! An den Wind!"

    "Ich halte drauf hin."

Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch eine Stunden bis Bonifacio. --

"Noch da, Gerd Maynard!" Und die Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Hafeneinfahrt, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Dione" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Hafen von Bonifacio!

Das Schiff gelandet. Der Seegang verschwelt.
An Bord noch alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwelln
Himmelan aus Kirchen und Kapelln,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Alle neune folgen,  hinter Gerd gehn sie her,
Und kein Aug im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen das Bier die Kehle hinab,
Mit Capucino schliessen sie das Essen ab,
Und mit goldner Schrift ins Logbuch hinein.
Schreibt der Skipper seinen Dankspruch ein:

      "Hier kniff Gerd Maynard! Mit Hunger und Brand
      Hielt er das Steuer fest in der Hand,
      Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
      Er litt für uns, unsre Liebe sein Lohn.
      Gerd Maynard."
 
 

frei nach Dirk Fontane (c) 1998

ZUM ORIGINAL

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

SARDINIEN EINLEITUNG:
 
Rhodos wäre so toll gewesen!


 “Eine gute Nachricht, und eine schlechte Nachricht! Welche willst Du zuerst hören”

Ich haßte dieses Spiel mit den guten und schlechten Nachrichten, entschied mich aber, wie ich es eigentlich immer tat wenn jemand meint etwas negatives gut verpacken zu müssen, für die offensive Variante.

“Zuerst die schlechte bitte, Jörg”

“Ok, du fliegst nicht nach Rhodos, sondern nach Sardinien!”

“Und jetzt die Gute?”

“Rhodos wär´ soooo toll gewesen!”

.-.

Toll alleine wäre gar nicht das Problem gewesen, aber schließlich hatten zwei Freunde meinetwegen Rhodos gebucht und die Dodekanes waren mein Lieblingssegelrevier. Von den “Crew-Shirts” die ich extra für diesen Törn entworfen hatte, wollte ich zunächst gar nicht reden. Andererseits prangte auf deren Rückseite direkt über dem Pictogramm eines Segelschiffes der überaus auffällige Schriftzug “Rhodos_ 98”. Sardinien kannte ich zudem nur von einer Woche, in der ich vor Jahren im Grunde selber nur als Gast mitgefahren war. Zudem hatte ich mir schon im März den Stress gegönnt mir fünf wochen lang die “Cote d Azure” als vollkommen neues Segelrevier zu erschliessen. Den Gedanken an “Herrn Mistral”, dessen Frühjahrslaunen ich immerhin schon kannte, verdrängte ich jetzt im Herbst vorsichtshalber ganz. Es stand mir also erneut ein Törn ins Haus, bei dem ich nicht nur mit den üblichen “Plagen” eines Charterskippers konfrontiert war, sondern ich - neben dem üblichen Flöhehüten einer wechselnden Crew- auch noch eine detaillierte Törnplanung ausarbeiten mußte. Bis zu Flug waren es überdies nur noch 36 Stunden, so daß dafür in Deutschland keine Zeit mehr blieb. Gerade noch ein eigenes Hafenhandbuch würde ich mir für den Törn besorgen können. Ich versuchte das Blatt zu wenden, eigene Skipper vorzuschlagen, machte auf das Dilemma aufmerksam, daß meine Freunde mich gleichsam extra gebucht hätten, aber es half alles nichts. Sardinien sollte, gegen meinen erbitterten Widerstand, mein Schicksal werden, und ich ahnte bis dato noch nicht ansatzweise, wie sehr sich dieser Satz bewahrheiten sollte, wenn auch auf eine überaus positive Art und Weise. Aber alles zu seiner Zeit. Jedenfalls macht mich jetzt der Gedanke schaudern, daß ich mit meiner Remittenden Art womöglich beinahe doch in Griechenland gelandet wäre. Was ich zunächst an dieser Stelle vorausschicken will ist, daß dieser Törn auch insgesamt derart abenteuerlich war, das die Törntips wieder ein wenig in den Hintergrund geraten müssen. Dies auch nur für all diejenigen die sich pur für -die seglerischen Aspekte- Sardiniens interessieren, aber letztlich auch nicht zu kurz kommen werden. Überdies kann ich, ohne das ich davon abweiche solche Törnberichte wie diesen für besonders informativ zu halten, für das Revier Nord-Sardinien bis hin nach Korsika das Hafenhandbuch von Böhm/Röhring fast uneingeschränkt empfehlen. Einzig die Tatsache, daß die eigentlichen Highlights nicht extra herausgestellt werden, und ich als Griechenlandliebhaber von Radspieler sehr verwöhnt bin, lassen den Führer verbesserungswürdig erscheinen. Jedenfalls finde ich ihn besser als Andrea Horn/Wyn Hoop, aber damit soll es zunächst auch genug sein mit dem “fachlichem”. 

Schon im Anflug auf Sardinien präsentierte sich die urtümliche Insel von ihrer stürmischen Seite, da schon aus grosser Höhe deutliche Schaumkronen auf dem Wasser auszumachen waren, hinter denen sich eine gute 9 bis 10 Beaufort verstecken sollte, die im Grunde auch die erste Woche nachhaltig prägte.
 
 


  .

 
 
 
 
 

...

ERSTE WOCHE

Vorwort:
 
Schwärmen in seiner schönsten Form.

Die erste Woche sollte geprägt sein vom Wiedersehen mit der Lacota. Noch im März hatte ich sie auf Trockendock gesehen und bewundert jetzt, wie aus dem etwas in die Jahre gekommenem Kutter, eine rassige und moderne Yacht wurde. Die deutlich sechsstellige Summe die zum Schrecken der Frösche von der Yacht förmlich aufgesogen wurde, hatte deutliche Früchte getragen und würde aus dem Klassiker die Attraktion im Segelprogramm machen. Blau stand der schlanken 49fuss Yacht noch besser als Weiß und die Assoziation mit einer schönen Frau, ließ mich ein wenig schmunzeln. 
Segler sind halt ausgesprochen verrückte Menschen, daran gibt es für mich unterdessen kein Zweifel mehr, und daher sollte dieser letztlich gewagte Vergleich auch erlaubt sein. Ich erinnere mich noch jetzt gerne an den Versuch die vordere Arbeitsfock zu ziehen. Das was ich für eine Arbeitsfock hielt und ich an dieser Stelle auch nur als Arbeitsfock kannte entwickelte sich, in einer Art freudigem Schrecken, zu einer Riesengenua. Die Wand die wir da großzügig auf der Steuerbord Seite aufbauten, legte uns dann auch gleich spontan und etwas übermütig auf die Seite, und ließ sich nur mit Mühe wieder bändigen. Langsam auf ein Maß der Vernunft reduziert, zogen die Focksegel die Lacota wie verrückt durch die Welle. Froh war ich nur über das komplett neu verstagte Rig das dieser Art zu segeln auch die nötige Sicherheit gab.
Das ein Paar Sachen für mich als Skipper nicht stimmten, wie sich im folgendem dem Logbuch entnehmen läßt, konnte wegen der grundsätzlichen Lacota - Begeisterung daher meine Freude nicht trüben. Die Seglerischen Eigenschaften bewiesen sich bei heftigem Wind und einer groben See, der die Lacota in der ersten Woche souverän trotzte. Fünfzehn Tonnen verdrängend stürzte sich die Lacota die eine um die andere Welle hinunter, und noch nie hatte ich eine so eindrucksvolle Bugwelle gesehen die meterweit zu den Seiten wich. Um die Kulisse übergehender Wellen perfekt zu machen, schlug der Klabautermann (dem ich an dieser Stelle für diese Art dem Mitarbeit noch mal danken möchte) im Takt die schwere bronzene Glocke im Salon. Das war es also, was man allgemein hin "dem Teufel ein Ohr absegeln" nannte.
Gleichwohl es noch viel zu schwärmen gäbe, jetzt zu den hoffentlich interessanten Logbuchauszügen, die ungeschönt die bisher seglerisch und organisatorisch härtesten Wochen wiedergeben, die ich in meiner unterdessen zehn jährigen Seglerlaufbahn erlebt habe. Ein großes Dank an der Stelle noch mal an die Crew der ersten Woche, mit deren Hilfe ich einen nicht alltäglichen Törn -wie ich finde- souverän gemeistert habe.

 

 
 

Logbuchauszug erste Woche

Sonntag 13.10.98

Hafentag und Landgang ; Navtext -> Korsika, Sardinien 8-10 Local Thunderstorm

Meteorologisches Tagebuch: Wind aus West 8-10. Bäume schon in Olbia eindrucksvoll in Bewegung. Gewitter die laut Navtext kommen sollten, sind jedoch für Olbia ausgeblieben.
 


Ereignisse: Lacota heute und am Tag der Anreise ausgiebig inspiziert. Stunden fluchend durchs Boot gerobbt, weil niemand mehr da war der eine Einweisung hätte vornehmen können. Ich entschließe mich eine Einweisung für künftige Skipper zu schreiben. Notpinne, Lenzsysteme, Tanks, Seenotmittel, Impeller, Werkzeug, etc. etc. gefunden. Innerer Wasserkreislauf minimale Undichtigkeit. Bilge hatte vom Vorgänger ”etwas” Wasser. Rumpf nicht ganz ohne Kratzer. Batterien recht schwach. Nachdem was ich gehört habe, wohl zwischenzeitlich beide tiefenentladen gewesen. Batterieschalter auf “Both” und Kühlschrank an, ist sicher einer der vermeidbaren Anfängerfehler. Windstärke in Böen 9. Wir laufen nicht aus, weil der Wind zu heftig. Nöte eines Skippers! Ich überlege bei dem Streß, ob Segeln das richtige Hobby für mich ist. Alternativprogramm Landgang. Danach frisches Wasser gebunkert. Merke: "Zwei Schläuche sind länger als einer". Umfangreiche Sicherheitseinweisung und durchsprechen der wichtigsten Manöver. Navtext zum leben erweckt. Ab jetzt guten Wetterbericht. Symbiose Schiff-Mensch läuft langsam an. Hoffentlich läßt der Mistral bald nach.

Montag 14.10.98

11.00 Uhr 59 Fußyacht am Nachbarsteg läuft aus. 11.20 Uhr Entscheidung für Südkurs, weil im Norden mehr Wind. Und dies Obgleich der Norden als Segelrevier wesentlich schöner ist. Wetterbericht Kanal 68 stimmt zuversichtlich. Süd-Sardinien 4-6 NW. Moderate See.

13.00 Uhr wir laufen aus.

Meteorologisches Tagebuch: Bäume immer noch heftig in Bewegung. Windmesser ist wie immer “nicht im Einsatz”.

Ereignisse: Motor Temperaturanzeige schon nach 15 Minuten im roten Bereich. Impeller arbeitet jedoch zuverlässig, da Wasser im äußerem Kreislauf fließt. Auch ist keinerlei Wasserdampf sichtbar. Motor scheint nach meinen Temperaturempfinden eigentlich im grünen Bereich. Dennoch sofort zurück in den Hafen, obgleich der Golf von Olbia herausfordernd vor uns liegt. Nach Rücksprache mit Florian, der die ganze Elektronik gemacht hat: “Ist Normal, man konnte keinen anderen Geber finden. Wenn der Motor wirklich heiss wird, gibt es wie auf anderen Schiffen auch einen Alarmton.” Unterdessen kommt die 59 Fuß Yacht mit resignierter Crew wieder rein. Die dem anschein nach starke Crew, sowie deren Skipper (der immerhin Berufsskipper ist) raten vom Auslaufen ab. Es habe draussen 40-50 Knoten Wind. Ein älterer Herr an Bord hält es allerdings für vertretbar. Funkverkehr auf Kanal 69 mit vermeintlich anderer Deutschen Yacht. Auch sie raten ab. “Junge bleib man besser drin, da draußen ist es ungemütlich”, überzeugt mich mit Hamburger Akzent mein Gesprächspartner. Ich versichere im Spaß, daß wenn sie drinblieben, ich auch bleiben würde. Sie geben vor auch in Olbia zu liegen, obgleich ich keine andere deutsche Segelyacht finden konnte. Auf Nachfrage was für eine Bötchen sie denn hätten, als daß sie drinbleiben würden, stellt sich heraus das es sich um das neue Kreuzfahrtschiff Deutschland handelt. Spontan bedanke ich mich noch mal für den Wetterbericht, verkneife mir allerdings ein Mast und Shotbruch zu wünschen, und belasse es bei einer Handbreit wasser unterm Kiel. Später höre ich auf Kanal 69 noch mal den Funkverkehr der Deutschland.

“Sach mal, wie viel Tiefe haben wir eigentlich noch?”

“Vorne so 5,70 Meter und hinten so 5,90 Meter”

“Ich will´s genau, nicht geschätzt !!!”

“Na, dann schau ich besser noch mal”

.-.
 

Dienstag 15.10.98 Olbia - Ottiolio.

09.00 Uhr Vivaldi am Morgen. 

Wie am Vortag abgestimmt Südkurs. Wetterbericht von anderer deutschen Segelyacht 6-7 West. Wir entschließen uns früh auszulaufen weil der Wind relativ mäßig. 

Als wir den Hafen verlassen und in den Golf von Olbia laufen grüßt uns die Deutschland mit einem langen Ton. Wir tuten mit unserem Horn fast zaghaft zurück. Fahren nur unter zweidrittel Fog 2. Läuft prima und ohne aus dem Ruder zu laufen. Ungleichmäßige belastung des Rig´s hält sich zudem, dank der Kuttertakelung, in Grenzen. Zudem ist die gesamte Verstagung seit März neu. Wir machen sehr gute Fahrt und der Klabautermann schlägt unten derweil heftig die Glocke wenn die Lacota sich den Wellen hinabstürzt. Als er das erste mal glöckelte bin ich runtergestürzt, weil ich nicht wusste was es war. Dachte zunächst die schwere Glocke im Salon sei bloße Zierde. Sitze später am Navigationstisch und bekomme plötzlich eine heftige Salzwasserdusche. Der Vorgänger hatte die Lüftungsdome zum Bug und damit in die falsche Richtung gedreht, wohl damit der Fahrtwind reinsteht. Jetzt steht die Welle rein. Ein Dom befindet sich direkt über den Navigationstisch. Nicht nur ich, sondern auch alle meine Sachen sind Naß, da ich -wie meistens- auf zwei Quadratmetern wohne und die eine Welle für die gesamten Sachen reichte. Meinen Hand-GPS hat es leider auch erwischt. Scheint aber irgendwie auf bestimmt Art doch auch wieder Wasserdicht, da das Wasser zumindest nicht wieder rauskommt ! :-(
Ab jetzt werde ich auch das Deck gründlich inspizieren, wenn ich ein Schiff übernehme!!! Vorteil, nasser kann ich auch nicht mehr werden. 

Meteorologisches Tagebuch: 07.00 Uhr 4-5 W / 08.00 Uhr 4-5 West / 09.00 Uhr 6 W / 12.00 Uhr 8-9 W (Zwischen den Inseln zusätzlicher Düseneffekt) 19.30 Uhr 7 W

Ereignisse: zwei sehr, sehr, sehr Seekranke! Rauchen nicht mehr Möglich. Das Zippo versagt kläglich. Frank daraufhin: “Das ist ein Windfeuerzeug und kein Sturmfeuerzeug .”
Beide Batterien proppenvoll. Kein Wasser mehr in der Bilge! Zwei Seekranke wollen uns verlassen, und gehen ins Hotel. Ich trage freiwillig den HARTSCHALENKOFFER von Bord!!!!
 
 

Mittwoch 16.09.98 Ottiolio - Porto Portesco

09.00 UHR Vivaldi am Morgen

13.00 Uhr wir laufen aus. Wetterbericht: Navtext 5-6 decreasing 3-5. 5-7 Tommorrow afternoon.

Schwere See. Endlos Wind. Für´s Logbuch noch weniger Zeit als sonst. Wetterberichte sind sch... Wellen gehen über das Boot. Der Klabautermann schlägt wieder die Glocke. Alles Naß. Kommentar der Crew: "Is wie Nordsee hier!" Boot ist reines Wäscheboot. "Das sieht ja heiß aus. Alle sind jedenfalls froh, daß das Tief HILTRUD, so hatten wir es spontan genannt, nach drei Tagen dann doch noch abgezogen ist. 

Spruch des Tages: "Manchmal glaube ich (,) ich denke". (kam nicht von einem Mann)

Donnerstag 17.09.1998

Hafentag wegen des Wetterberichts. Das Restaurant "PORTESCO" ist gigantisch. Selten so gut gegessen! Steht ab jetzt jede Woche auf dem Plan!!!

Freitag 18.09.98 Porto Portesco - Archipel - Cala di Volpe (Bucht)

11.00 Uhr wir laufen aus. Wetter: Navtext - Madalenen Archipel Northwesterly 2-4 ; Kanal 68 - Outlook 4-4

12.00 Genua und Groß.

16.00 Badepause unter dem Bären. Gelungene Bierholaktion mit Luftmatratze.
16.10 U-Boot passiert. 3-5 N-NW Wolkenlos

19.00 Bucht für die Nacht erreicht. Ankerposition um 20.00 Uhr und am nächsten Morgen ;)

41 04´ 75 N - 009 32´ 78 E

Spruch des Tages:

Ich: "Da brauchen wir nen Bootsmannsstuhl, um den Tampen aus dem Masttop zu kriegen."
Sie: "Warum nen Stuhl? Nehmt doch besser ne Leiter!"

Naja, ist ja naheliegend. .-.

Samstag 19.09.98

09.30 Uhr Raumschots nach Olbia. Letzter Tag erste Woche. Für die Nächste Woche sollen angeblich nur Frauen gebucht haben. Es soll also wieder die ganz harte Tour werden. Naja womöglich wollten sie mich in der Zentrale nur ärgern. 

Meine Starkwindcrew langweilt sich bei 4-5 Windstärken, sie wollen wieder mehr Wind und sind trotzig. 

Spruch des Tages:

"Könntet Ihr bitte wieder auf Kurs gehen?"

"Nein, dann haben wir keine Sonne mehr!"

"Wollt Ihr braun werden, oder überleben?"

"Braun werden!"

"Na gut ... ... ..."
 
 

Das Lacota Drama - Oder hast Du ein Schiff für uns gefunden.

Bericht Ankunft in Olbia.

(Dieser Bericht entstand als Bericht für Deutschland) 
Ereignisse vom 19.09.1998 (Abhanden kommen der Lacota)

Gegen 12.15 erreichte mich auf meinem privatem Telefon ein Anruf von  Herrn S. Dieser gibt sich als Gast aus, und fragt wann wir in Olbia eintreffen werden. Schon zu diesem Zeitpunkt wunder ich mich, aufgrund der sprachlichen Auffälligkeiten des Herrn S., über unser demnach stark nachlassendes Publikum. Ich finde es etwas erschreckend, weil das besondere Publikum gerade unsere Stärke ist.
 

 


 
 
 
 
 
 
 
 

 

Als wir gegen 13.30 Uhr  in Olbia anlegen "treffen" dort scheinbar gleichzeitig mit uns vier Polizisten ein, die uns nach den Papieren fragen, obgleich wie in der Vorwoche im gleichen Hafen die Papiere vorgelegt hatten. Wohl hat Herr S. angegeben, daß ich das Schiff gegen seine Willen besäße, da die Polizei erst zum Anleger kam, als wir bereits angelegt hatten. Es schien so als hätten sie anderenfalls unsere Flucht erwartet und hätten daher versteckt auf uns gelauert. Auch wirkten die Polizisten sehr resolut. Man erklärt mir, daß seit einer Woche nach uns gefahndet würde. Eine weitere anwesende Person gibt sich als Sohn des Eigners der "Lacota" aus, und erklärt er würde jetzt das Boot übernehmen. Mit seiner dunklen Sonnenbrille, wirkt er wie nen "Mafioso für Arme". Er fühlt sich jedenfalls ultra Cool.

Auf der Polizeiwache stellt sich dann Heraus, daß Herr S. die Originalpapiere bei sich führt. Herr S. behauptet er habe den seit Jahren bestehenden Chartervertrag mit uns aufgekündigt. Daraufhin versuche ich Herrn S. sehr kleinschrittig zu erklären, daß es bei einem gegenseitigen Vertrag dieser Art zur Kündigung eines Kündigungsgrundes bedarf. Überdies erkläre ich Ihm, daß uns aus "Geschäftsführung ohne Auftrag" zu alledem noch ein erheblicher Anspruch ihm gegenüber zustünde. Solche Dinge wie Verträge und gesetzlich Ansprüche scheinen Herrn S. allerdings suspekt. Auch beeindruckt es ihn nicht, daß er in Deutschland aufgrund seines Vorgehens mit erheblichen juristischen Schwierigkeiten zu rechnen habe und überdies erhebliche Schadensersatzansprüche aus der Zucharterung einer anderen Yacht, gegen ihn entstehen werden. Herr S. macht den Eindruck als ob ihn finanzielle Belange nicht mehr interessieren würden. Die Polizei führt jedoch aus, sie habe im Grunde nach italienischem Recht kein Ermessen, solange keine Papiere vorlägen, die ein Nutzungsrecht beweisen und die Streitigkeit müsse in Deutschland geklärt werden. Sowohl auf der Polizeiwache, als auch auf dem Schiff kommt es zu erheblichen Streitigkeiten zwischen der Crew und Herrn S. Eine Crewmitglied, eine weitere Volljuristin, mokiert sich über die Rechtskenntnisse der Herrn S. Zwischenzeitlich gelingt es Herrn S. jedoch das Schiff zu betreten und die Zündschlüssel an sich zu nehmen, ohne das wir es zunächst bemerkten. Dabei bediente er sich nicht der Polizei, sondern er nahm die Schlüssel selbst an sich.
Solange unsere privaten Gegenstände nicht von Bord sind untersage ich, wie es mit der Polizei abgesprochen war, Herrn S den Zutritt zum Schiff. Ich fürchtete, daß Herrn S. sich auch bei meinen privaten Gegenständen dieser Art von "Selbsthilfe" bedienen würde. Dennoch versucht Herr S. das Schiff zu betreten obgleich die Crew versuchte ihn daran zu hindern. Herr S. erweist sich als intellektuell nicht zugänglich und läßt sich erst durch Androhung von Gewalt wieder von Schiff entfernen.
Uns gelingt es nur noch unsere Habe und die Rettungswesten mitzunehmen. Zwischen Herrn S. und einem weiblichen Gast kommt es zu einer für Herrn S. peinlichen und nicht für seine verstandesmäßige Flexibilität sprechende Auseinandersetzung, als Herr S. versucht dem Gast Kopfkissen zu entreißen. Der tätlich Streit zwischen den beiden läßt sich abermals nur durch androhung von Gewalt beenden. Verhältnismäßig wäre es m.E. aber auch gewesen, im wege der Nothilfe, gewaltsam gegen Herrn S. vorzugehen. Die beiden Personen die S. mit sich führt, bleiben der Peinlichkeit fern. Die Person, die sich als dessen Sohn vergestellt, rät Herrn S. von dem Kissen abzulassen. Vom Nachbarschiff wollen uns zeitweise Leute zur Hilfe kommen. Ich bitte diese die Hafenpolizei zu verständigen, um die Situation von dieser klären zu lassen, da Herr S. in Anwesenheit der Polizei erfreulich zivilisiert und betont nüchtern auftrat.
Der Vollständigkeitshalber sei noch angefügt, daß Herr S. währende der Vorgänge einigen Gästen gegenüber vorgab, er sei "Berufsseemann" und als solcher finanziell auf das Schiff angewiesen. Auch habe er ein Patent gemacht. Um was ein Patent es sich handelt konnte aber keiner der Gäste sagen.
 

 
 

Samstag Abend-Sonntag Früh

Hotel. Erstes zusammentreffen mit Joanna. Erkläre der Crew der zweiten Woche und Joanna, die zunächst auch die zweite Woche als Segelwoche gebucht hatte, daß ich einer der wenigen Skipper ohne Schiff bin. Schildere, daß ich ein Schiff verloren habe. Ergänze wegen der irritierten Gesichter, daß ich es nicht versenkt habe, sonder daß es mir weggenommen wurde. Muß wohl im Spass und voller Verzweiflung gesagt haben, daß es schlimmer sei ein Schiff zu verlieren, als eine Frau. Eine durchaus typische Bemerkung, daher muß ich es wohl wirklich so gesagt haben.

Sonntag Abend 20.09.98

Joanna: "Hast Du ein Schiff für uns gefunden."

Sie entscheidet sich zu meinem Leidwesen für die dritte Woche, obgleich ich deutlich erinnere, daß ich sie sehr gerne schon für die erste Woche dabei gehabt hätte. So sollte es jedoch richtig sein ;-) Doch dazu mehr im Törnbericht Dritte-Woche.
 
 
 

 

 

 
ZWEITE WOCHE

Objektiv schönste Segelwoche mit Bavaria 35, nachdem die Lacota nicht mehr da ist. Subjektiv ist für mich jedoch die dritte Woche meine schönste Segelwoche.

Törnplan :

Porto Rotondo - La Maddalena -Bonifacio (Foto rechts) - Cannigione - Porto Cervo - Porto Rotondo

Spruch der Woche: Frauen sind wie T-Online. Technisch noch nicht ausgereift, sauteuer und es klappt meistens nicht mit der Verbindung. Wenne durchkommst hängste erst in der Warteschleife.
 

Mangels schlechtem Wetter und der Tatsache, daß ich an dem Bericht über die Lacota" schreiben mußte, gibt es sonst leider auch kaum Logbucheinträge. :-(
Bonifacio (oben rechts) erreichten wir, wenn auch hoch am Wind, fast ohne Mühe. Es verwöhnte uns dann auch noch gleich mit einem wunderschönem Sonnenuntergang.
DA sagen Bilder mehr als tausend worte

Segelurlaub wie ich Ihn sonst nur kenne und man ihn sich wünscht.
 
 
DRITTE WOCHE

 

Sonntag 27.09.98 _Fahrtentag 1__ POTO ROTONDO - LA MADDALENA

CREWEINTRAG: Kurs nach La Maddalena
-Local Thunder Storms .-. mit nassen Füßen durch den Goldtopf des herrlichen Regenbogens in den Hafen eingelaufen. 

Wetter: Kanal 68 4-6 Korsika Sardinien

"Cum Veer" getroffen. Hans immer noch der alte. Genehmigen uns zwei Capucino. Reden über alte Zeiten und spinnen einiges Seemannsgarn. Die See ist doch klein!
Hans hat noch nen paar Tips auf Lager: St. Teresa ; Porto Pozzo ; Porto Rondinary ; St. Cyprien (so zumindest das was ich mir aufgeschrieben habe)

N-NW 5-7 16.30 Manöver vor Passo di Moneta

Thema Landkrankheit: "Du spannst dann nachher Leinen durch die Wohnung!"
 

Montag 28.09.98 _Fahrtentag 2__ LA MADDALENA - BONIFACIO

CREWEINTRAG: Kurs auf Bonifacio - "der Höllentrip"! Aus zwei Stunden wurden 8 Stunden bei Windstärke 8! "Kollektives Reihern" über die Reling bei jeder Wende. 60% der Crew -Seekrankheit- Ausfall am Ende! Gerd war einer der Harten, den er spielte den Starken. Doch plötzlich einer kotzend am Ruder stand ---> SOS für unseren Steuermann! 
PS: Wir kreuzen dem Teufel ein Ohr ab!

Wetter: 5 West Segelyacht "Cum Veer"

Hart gegenan und das gleich Stundenlang. Letztlich, obgleich Ausweichhafen schon feststand, Bonifacio glücklich erreicht. Die meisten, und so, wollten Bonifacio sehen. Was ich zuvor noch nie gesehen habe war ein derart souveräner Steuermann! 

Dienstag 29.09.98 _Fahrtentag 3__ Bonifacio - St. Teresa

CREWEINTRAG: Erholung durch Bummeln und festen Boden unter den Füßen in Bonifacio! Kurs auf Capo Testa - Badepause -, endete rötlich - Qualle Sieger nach Punkten. Dreifacher Rittberger bei Hafeneinfahrt in St. Teresa, wegen genialem Sonnenuntergang!


Ich frage mich: "Sieht so eine Schwerwettercrew aus?"

Wetter: Meteo France Bonifacio 4-6 Sardinien 4-5 Abend 3-4

Spruch des Tages: "Ich fand Korsika zum Kotzen. .-. Aber die Insel war schön!"

16.30 UHR Cala Spinosa !!! LEIDER FEUERQUALLEN BEI NW-WIND !!!

Mittwoch 30.09.98 _Fahrtentag 4__ ST. TERESA - CALA G. MARINA

CREWEINTRAG: Ankertag in romantischer Bucht.

Damit fing alles an: "

... daß war mein Platz, da lag mein Handtuch" 
"wir sind doch nicht an einem Swimming-Pool auf Mallorca!"

Somit wurde enger zusammengerückt. Amors Pfeil schlug beim Skipper ein, danach war die Crew allein! Trotz Sturm und Regen hielt der Anker fest, doch Joanna war zu naß das Liebesnest!
 

L O V E   B O A T
 

 

Wetter: Kanal 68 4-5 SW

Die durchwachte Nacht

Wir ankern in der Cala G. Marina. Bisher die schönste Ankerbucht die ich mir vorstellen kann :-)
Mit etwas Glück führt die Bucht auch gleichsam in das schönste Skigebiet das ich mir vorstellen kann und hoffentlich so weiter ;-)

Die Nach in der Bucht ist sturmgezeichnet. An Schlaf nicht zu denken. Aber Zeit zum nachdenken und zum freuen!
 

Donnerstag 01.10.98 _Fahrtentag 5__ Cala G. Marina - Porto Portisco - Rotondo

CREWEINTRAG: Kurs auf Porto Rotondo

Antje: Wo find ich denn am Ruder den Höhenmesser ?? ! Statt Badepause - kein schwimmen wegen Feuerquallen - aber Fische füttern!
Warmduschertransfer nach Porto Portisco mit anschließender Restaurantbesichtigung! Anleger-Ableger-Anleger-Ableger-Anleger -Biervorräte aufgebraucht. "tokelnd" in die Pizzeria!

Es gilt noch erklärend festzuhalten, daß im Oktober so ziemlich alles dort an Restaurants zu hat :-( 
Aber es war den versuch wert, noch mal kurz von Rotondo nach Portesco zu fahren, gleichwohl ein geschlossenes Restaurant natuerlich ernüchternd ist. Auch wenn es noch so gut ist. Naja, und dann mußten wir halt noch mal zurück nach Rotondo. Also mir hat das hin und her im dunklen sogar Spaß gemacht. Wann fährt man schon mal kurz mit der Segel-Yacht zum essen.

Spartanische Nacht für den Skipper, erst Nudelverbot wegen Knoblauch und dann Liebesnacht auf der Parkbank! Echt Prickelnd!

Nudelverbot hat es nie gegeben und die Parkbank erwies sich als kleine Bavaria Segelyacht, die sich leicht "kapern" ließ. Leicht läßt sich die Wahrnehmung der Crew beeinflussen. Richtig ist jedoch das die Arabiata zurückgegangen sind und wir uns die Karbonara geteilt haben!
(Anmerkung in Postum: Wir habe unterdessen soviel (z.t. selbstgemachte) Arabiata gegessen, daß es auf diese eine Portion sicher nicht ankam :)))

Wetter: Kanal 68 Bonifacio 4-5 westerly.
 

Freitag 02.10.98 _Fahrtentag 6__ Rotondo - Ottiolio

CREWEINTRAG: Crew übernimmt Logbuch - es ist soweit! 
 

11. Mann an Bord. Herr Autopilot ist zugestiegen und übernimmt das Kommando - Skipper nicht mehr "manövrierfähig"! Entfernung zum nächsten Hafen 3/4 Stunden und einmal ums Eck! Vorsicht Standartentfernung bei Tagestouren!!!
Porto Ottilio: Duschen im Gefängnis, Essen unter Mafiosis, tote Hose überall!

Nacht mit -zum Glück- wenig Regen! Wer auch immer das "Zelt" Nachts noch mal festgebändselt hat, DANKE !

Samstag 03.10.98 _Fahrtentag 7__ Ottiolio - Olbia

FLUGHAFEN bis 01.00 Uhr weil Virgin-Airlines Verspätung hat. Eine Horde Urlauber von SAGA singt lautstark: "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben". Sie habe ja sooo recht.  Die Atmosphäre hat etwas verrückt romantisches und das paßt!
Dennoch, Flieger können unbarmherzig sein ;-) . Rolf (zweite Woche Segeln / dritte Woche Land) wußte, wie er sagt, und wie die anderen bestätigten, schon an Land und damit schon bevor es uns richtig erwischt hat, daß wir als Doppel am Flughafen erscheinen würden. Spricht für die Dinge die da kommen mögen.
NACHTRAG Irgendwann mal ;-)
Die Bier-Mafia rückt mit 53 Paletten an, das Schiff sinkt  --ENDE--

halt! nicht ganz !!! .-.

Motor läuft heiß. Beim Anleger Warnton. Wasser im Internen Kühlwasserkreislauf läuft über. Motor diesmal definitiv heiß. Impeller jedoch in Ordnung. Ebenso ist der Keilriemen unbeschädigt. Muß ein schwerwiegendes Problem sein. Rücksprache mit dem Verchaterer. Mechaniker soll Morgen um 9 Uhr kommen. Crewwechsel wird von defektem Motor leicht überschattet.
 
 


 
VIERTE WOCHE
Einleitung vierte Woche

Die vierte Woche war für mich sicherlich auch eine besondere Woche. Schon deshalb weil ich nach der Verabschiedung am Flughafen die Tage Rückwärts gezählt habe. Dennoch hoffe ich, daß ich für die Biermafia aus Wuppertal (Angeblich ein Skatclub) noch ein angenehmer, wenn auch sehnsüchtiger Skipper war. Kann ja mal passieren ;) Was ich selber, aufgrund meines "Zustandes",  mit den Jungens mitgemacht habe, brauche ich ja wohl nicht zu betonen. Allesamt waren aus dem Holz aus welchem man spitze Zahnstocher bis hin zu Betonbohrern herstellt.

Sonntag 04.10.98 _Fahrtentag -7__ OLBIA - LA MADDALENA
_
Wetter: Bonifacio 4-5

90.30 UHR Mechaniker rückt an. Thermostat ausgebaut und ersetzt. 10.50 UHR. Mechaniker mit seiner Arbeit zufrieden. Konnte mich davon überzeugen, daß Motor nicht mehr überhitzt.

Zwischenstop Rotondo. Von dort Motor(test) bis La Maddalena

41.13´N 09,22´ Punta Sardenia 12.30 UHR pasiert. NEBEL und heftigster Regen.

Motor wird im Stundentakt geprüft. Bei bei 2.300 Umdrehungen kühlt er leicht runter. Telefoniert und alles bestens .-. Einer spielt Eros Ramazotti. Ja muß denn das am ersten Tag sein :-)

Montag 05.10.98 _Fahrtentag -6__ 

 
 
 

Photosession: 
"Komm Baby, gib mir Dein Lächeln"
"Mein Gott, nicht alle auf einmal!"

Das Restaurant "U-Castille" hat auch zu. Keine Muscheln mit Tomaten :-( Schade, die ware ausgezeichnet.
Schinken an der Decke, Rochenstacheln und enge Bänke zeichnen "La Spuntino Du Pecheur" aus. Käse mit Feigenmarmelade auch ganz lecker + milder Trester. Gehe nach dem Essen kurz Telefoniere. Als ich wiederkomme stürze ich einen Trester hinunter, der sich zwischenzeitlich auf dem Tisch angesiedelt hatte, und lobe den Edlen tropfen: "Gibts da noch mehr von". Die ganze Skat-Bande lacht begeistert, weil sie das scharfe Zeug nicht runter bekommen haben, und eigentlich beobachten wollten wie ich fürchterlich hustend in mich zusammenbreche :))) Der bereitgehaltene Fotoapparat wird wieder eingepackt. Tja, die Brüder kennen halt keinen Friesengeist!
.

Alle guten Dinge sind bisher drei: Sonntag ; Montag ; Dienstag.

Dienstag 06.10.98 _Fahrtentag -5__ 

_Wetter: Meteo France  Bonifacio 5-7 Local 8 ___
 

SAUWETTER !!!
 

18.00 UHR Porto Vechio. Schön, aber teuer. Absolute Regennacht. Wir besichtigen ein anderes Boot das neben uns liegt.

CREW: "Ne, son Boot woll´n wir nicht. So trocken und so weit. Hat ja nichts gemütliches."
 

Mittwoch 07.10.98 _Fahrtentag -4__ _

Wetter: SW 4-6 

Wir fahren unter Vollzeug und ich versuche etwas in der Sonne zu schlafen, doch dann: 

"Wie der das schafft der Micha, so durch die Felsen zu steuern. Da steckt, glaube ich, Intuition dahinter. .-. Hoffentlich werden das nicht noch mehr Felsen. Hinterher ist das noch sonne Art Sackgasse! Jetzt sehe ichs, da vorne ist irgendwie das Meer zu ende. Guck mal da steht auch neben uns ne Möwe im Wasser."

"Delphine? Wir haben bei uns in der Kabine Bisamratten."
"Das schließt aber nicht aus, daß wir auch Delphine kriegen!" .-.
"Hauptsache die verstehen sich."

An schlafen ist nicht mehr zu denken, dafür lache ich aber noch stunden später! 

ABENDS:

"RESTAURANT HOSTERIA EL BARRANCO" ---> Klasse Lokal, das wir schon das zweite mal aufsuchen! (Gerne wird das Brot, wenn vergessen, auch getoastet!) 

Wie gut das es Telefon gibt. So ein Anruf am Abend .... noch 4!

Donnerstag 08.10.98 _Fahrtentag -3__ LA MADDALENA - PALAU
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Landtag und Motorradtour geplant. Motoren 10 Minuten nach Palau.  ___
 
 

"Da besteht keine Gefahr, daß die Ratten zu uns reinkommen, daß ist denen viel zu feucht! .-. Normaler Weise müßten wir für unsere Stube ne eigene Pumpe haben."

"Wenn wir das Schiff zurückgeben fließen Tränen. .-. Na, die Bisamratten! Die Jungs waren so in Ordnung!"

Abends sitzen wir in einer Pizeria unter einem Heizstrahler:

"Wir hätten die ganzen nassen Sachen anziehen sollen, der Heizstrahler ist mörderisch!"
.-.
"Heizstrahler? Das Ding nehmen wir mit!"

Freitag 09.10.98 _Fahrtentag -2__ _

Längseitsanleger in Porto Vechio: 
Die Mannschaft kriegt die Poller nicht belegt, und hantiert zudem an den falschen Pollern rum. Ich kann es nicht glauben und ereifere mich lautstart: 

"Hömma!!! Seid Ihr nen Skatclub oder nen Nähkurs!"

Spontan, geht gar nichts mehr, doch dann werden die Tampen an den Pollern festgehäkelt. Ich konnte ja nicht ahnen, daß die "Seebären" noch nie längseits gegangen sind :)))

Bin froh, habe jetzt nach vielen telefonaten endlich mein Ticket für Frankfurt, will sagen Köln.

Samstag 10.10.98 _Fahrtentag -1__ ____

Ach ja,  Kultur haben wir auch ge(ver)sucht ;-)
 
"Der Boden hier steckt voller Geschichten und Historie"

.-.

"O.k. ich geb´s auf!"
 

 

PS:
Flieger geht annähernd pünktlich. Die SAGA leute singen jedoch nicht! Aufregende vier Wochen sind vorbei. Einige Nachtreffen sind schon geplant.
 

 

Zum Ende: 

Was bleibt, ist die Tatsache, dass ich zwar ein wunderschönes Schiff verloren, aber eine ebensolche Frau gewonnen habe. 

Bleibt es aber noch den Bericht zu schließen, wie er begonnen hat.

"Hallo Dirk, ich habe schon von Deinem Törn gehört!"
"Sicherlich nur die Hälfte, Jörg! Wir brauchen jetzt erst mal Urlaub."
"Kein Problem, wo willst Du als nächstes hin?"
"Skifahren, einfach nur Skifahren und zwar als Gast, diesmal!"

 

Nachtrag:
 

John Maynard

John Maynard
     "Wer ist John Maynard?"

"John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
  John Maynard."

Die "Schwalbe" fliegt über den Eriesee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun.
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Noch dreißig Minuten... halbe Stund."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie ein Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, buntgemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich's dicht,
Und ein Jammern wird laut:"Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten nach Buffalo. 

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
                              "Ja, Herr. Ich bin."
"Auf den Strand! In die Brandung!"
                            "Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt:"Halt aus!Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. 

"Noch da, John Maynard!" Und die Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwelln
Himmelan aus Kirchen und Kapelln,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schliessen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

      "Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
      Hielt er das Steuer fest in der Hand,
      Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
      Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
         John Maynard."

Theodor Fontane